Lustig is dos Flößerlaam, Flößerlaam, wemmer ölle sen zesåmm // Lustig is dos Flößerlaam

Lustig is dos Flößerlaam, Flößerlaam, wemmer ölle sen zesåmm // Lustig is dos Flößerlaam

ID: 267717 | Typ: Lied

Strophen

1. Lustig is dos Flößerlaam, Flößerlaam, wemmer ölle sen zesåmm, wemmer ölle sen zesåmm. Ze früh öm sechse fang mer oo, fang mer oo, tüchtig is a Flößerschmoo, tüchtig is a Flößerschmoo. Do påck mer Seil und Hackle, Hackle, und Spånnekeil un Saachle, Saachle, un fånge gleich es Arbtn oo, Arbtn oo, tüchtig is a Flößerschmoo, tüchtig is a Flößerschmoo. (Gerufen:) Einer: Was ist tüchtig? Alle: Die Flößer! Wu seid Ihr? Do! Låßt aüch hör! Dunnerkeil! Jo! Håns, geh noo, Håns geh noo, lustig sen mir Flößer do, Håns, geh noo, Håns, geh noo, lustig sen mir do!

2. Öm naüne is es Frühstück do, Duurscht un Honger håmmer scho. Do schicke mer ‘s Büble ins Duurf neim käft Broet un rottn Praßssock ei. Nacher trinkt a jeder von dan Fooß seine zwä drei vier fönf Mooß. War trinkt die? Die Flößer ... Håns geh noo ...

3. Mittog öm zwölfe is‘s su weit on wenn‘s racht is, Assnszeit. Do påck mer Messer on Goobln, fange herzhåft oo ze schnoobln. Dö wörd‘s dan Floßherrn angst un bang, seine Flößer frassn lång. Was frisst lång? Die Flößer! ... Håns geh noo ...

4. Un wenn die Glockn viere schlööcht, wörd zum Hålweroomd geräächt. Do hol mer a Gerächerts roo un stecke a naüs Fassle oo, nåcher trinkt a jeder von dan Fooß seine zwä drei vier fönf Mooß. War trinkt die? Die Flößer! ... Håns geh noo ...

5. Wenn‘s sieme schlööcht vom Kärchtorm roo, is der Feieroomd aa schö do. Nåcher war mer nei in dos Städtle genn, wu lauter schönne Mädle senn (jå wu senn se denn?). Do singe mir die gånze Nocht, bis unner Gald is durchgebråcht. War bräng t‘s dorch? Die Flößer! ... Håns geh noo ...

Quelle / Herkunft

Angaben zu Quellen und Herkunft des Lieds, wie sie im Liederbuch selbst stehen

Seit 1980 Publikumshit der Volksmusikgruppe „Kantholz“ Neuhaus a. R. und ihrer Vorgängergruppen, seit den 1990er Jahren auch in das gesellige Singen verschiedener Gruppen in Neuhaus a. R., Cursdorf etc. eingegangen. // Tatsächlich stammt das Lied aus dem Oberfränkischen, wo es in hochdeutschen und mundartlichen Fassungen bis heute lebendig ist. Die von mir hergestellte vorliegende Fassung wurde durch das Manuskript einer Bearbeitung des oberfränkischen Flößerliedes durch den Sonneberger Komponisten und Arrangeur Werner Thielemann aus den 1970er Jahren angeregt. Die Quelle für Thielemann war seinerzeit eine Aufnahme in der Interpretation von Hans Schreiber und der Flößerkapelle Neuses. // Im Frankenwald hat die Flößerei eine über 800jährige Tradition. Ganze Dörfer lebten davon, die Flößerei beeinflusste die gesamte regionale Gewerbestruktur. Auch in den verkehrsmäßig wenig erschlossenen und schwer zugänglichen Gebieten des Thüringer Waldes war die Flößerei häufig die einzig mögliche Transporttechnik. Sie war für die thüringischen Kleinstaaten (einschließlich Coburg!), die über einen großen Holzreichtum verfügten, ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. In den oberen Lagen des Gebirges und in den kleinen Flüssen wurde vor allem Scheitholz geflößt. Floßteiche und Floßgräben zeugen noch heute vom Wirken der Flößer. Auf den größeren Flüssen wie Werra, Saale oder Main wurden große Flöße zusammengefügt, die Bauholz bis in entfernte Flusshäfen in Deutschland oder Holland brachten. // Meine Bearbeitung bestand hauptsächlich darin, dass ich den fränkischen Mundarttext der im Rennsteiggebiet gesprochenen (ebenfalls noch fränkischen) Mundart anpasste, einige nicht mehr verständliche Mundartausdrücke ersetzte und den responsorischen Charakter des Liedes besonders hervorhob. In der Interpretation durch die damals aus Schülern bestehende „Folkloregruppe der EOS Neuhaus“ hatte des Lied sofort durchschlagenden Erfolg, vor allem deshalb, weil mit den Rufen und den Wiederholungen eine sehr lebendige Interaktion mit dem Publikum möglich wurde. Der Erfolg dieses Liedes war anhaltend, und zwar sowohl in der DDR-Folk-Szene der 80er Jahre als auch in der Volksmusikpflege seit den 90er Jahren bis heute; es wurde mehrfach auf Tonträger aufgenommen, und für die Gruppe „Kantholz“ (1982 aus der Folkloregruppe der EOS Neuhaus hervorgegangen) ist das Flößerlied bis heute ein Markenzeichen. Da die Granzen zwischen Vortragslied und Gemeinschaftslied ohnehin verwischen, bot es sich auch für gesellige Runden als geeignet an. // Das Flößerlied stellt eine auf die Gegebenheiten der Flößerei zugeschnittene Version eines Liedtyps dar, der von verschiedenen Berufen (Hufschmiede, Schneider, Maurer, Gesellen allgemein usw.) aus verschiedenen Landschaften überliefert ist. Es handelt sich dabei um Arbeits- bzw. Zunftlieder, deren Grundmuster darin besteht, den Tagesablauf und verschiedene berufstypische Tätigkeiten, nicht zuletzt aber auch die bei 12-14stündiger Arbeitszeit so wichtigen Arbeitspausen zu schildern. Charakteristisch ist der Wechselgesang zwischen Vorsänger und Gruppe. // Die Nachfahren der oberfränkischen Flößer bezeichnen das Lied übrigens als „Lügenbeutellied“, weil weniger von der Arbeit als vielmehr von Essen und Trinken die Rede ist. // // Manuskript Flößerlied aus dem Besitz von Werner Thielemann, Sonneberg // DVA Liedmappe Gruppe XI d „Lustig ist das Flößerleben“ mit sechs Belegen, alle aus Oberfranken. // Mit einem Artikel von Hein Kröher in „folk magazin“ 9 (1982), S. 128 f., der zusammen mit seinem Bruder Oss eine lebendige Ausführung des Flößerliedes 1977 in einem Gasthaus in Weiden/Oberpfalz erlebte und das Lied mit Beschreibung des funktionalen Kontextes notierte. Die mitgeteilte Fassung entspricht fast genau unserer Vorlage. // Kirnbauer, Flößerlieder (Lied der fränkichen Flößer hochdeutsch, 1926) // Ditfurth Fränk. Vl. II Nr. 322 (Lustig ist das Schneiderlebn)

Bibliographische Angaben

Traut, Horst (Hg.): Der Hallodri. Liedersammlung aus mündlicher und schriftlicher Überlieferung Ende des 20. Jahrhunderts im Thüringer Wald. [Quedlinburg]: Dr. Bussert & Stadeler, 2007, Nr. 11.

Bemerkungen

u. a. Einschätzungen der Forschungsstelle zu Konzeption und Intention des Liederbuchs

Lieder mit Melodien, komplett aufgenommen; Gewährsangaben mit Ort und Zeit, teilweise umfangreiche Kommentare und Konkordanzen.

Signatur

FFV_LB_1248

Lustig is dos Flößerlaam, Flößerlaam, wemmer ölle sen zesåmm // Lustig is dos Flößerlaam